Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein

Römische Provinz: Germania Superior

Das muss man gesehen haben!

Bei der Rekonstruktion der Villa rustica von Hechingen-Stein entstand ein reizvoller Kontrast zwischen Originalbefund und Rekonstruktion, denn die schlechter erhaltene Hälfte des Hauptgebäudes präsentiert sich heute komplett rekonstruiert, bei der anderen wurden nur die noch gut erhaltenen Grundmauern konserviert.

Der Gutshof in Hechingen-Stein stammt aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. und wurde als Porticusvilla mit Eckrisaliten errichtet. Mit einer Fläche von 5 ha ist sie eine der an besten erhaltenen römischen Gutsanlagen im süddeutschen Raum.

Entdeckt wurde die Villa 1973 vom damaligen Bürgermeister und sie wurde anschließend durch das Landesdenkmalamt zwischen 1978 und 1981 ausgegraben, konserviert und rekonstruiert. Dabei wurden Teile des Ostflügels der Villa auf ihren originalen Grundmauern komplett wiederaufgebaut und zusätzlich nach historischen Vorlagen und Funden originalgetreu ausgemalt und eingerichtet. Von der anderen Hälfte der Villa wurden die noch gut erhaltenen Grundmauern „nur“ konserviert, so dass man heute nebeneinander sowohl Originalbefunde als auch Rekonstruktion sehen kann. Die Gutsanlage wird seit 1992 durch einen Förderverein weiter ausgegraben und rekonstruiert, so dass inzwischen auch ein Tempelbezirk und mehrere Wirtschaftsgebäude (teil)rekonstruiert sind.

Das Hauptgebäude besteht aus einer 30 Meter langen Porticushalle mit offenen Rundbögen und einer Freitreppe. An diese schließen auf beiden Seiten Eckrisaliten an, der in denen die Wohntrakte untergebracht waren und die über eine Hypokaustenheizung beheizt werden konnten. Einige der Wohnräume wurden rekonstruiert, u.a. das Speisezimmer (triclinium), die Küche, der Keller und im Obergeschoss die Schlafräume. Außerdem befinden sich in den Räumen heute eine Ausstellung von Originalfunden und ein Lapidarium. Eine 15-minütige Tonbildschau informiert über die gesamte Anlage.

Das Badegebäude konnte man über eine überdachte Säulenhalle vom Haupthaus aus erreichen. Die Räume wie das Heißbad (caldarium), das Kaltbad (frigidarium) und die Latrine gruppierten sich hierbei um das Warmbad (tepidarium) in der Mitte.

Auf dem Gelände kann man außerdem mehrere Wirtschaftsgebäude besuchen, beispielsweise eine rekonstruierte Schmiede, einen Speicher (horreum), die Reste eines Mühlengebäudes mit 3 Darren, Bierbrauerei und römischem Backhaus und ein weiteres Gebäude, das entweder eine Herberge oder ein Wohnhaus war.

Eine Hofmauer mit einem Eingangsportal und bewohnten Ecktürmen, von denen einer rekonstruiert wurde, umgab das trapezförmige Gelände, das etwa 5 ha groß war. Die Gesamtlänge der Mauern betrug ca. 1 km, wobei die komplett rekonstruierte Westmauer 270 m lang war. Vermutlich diente die Mauer dabei aber nicht der Befestigung sondern eher repräsentativen Zwecken. Anhand eines Teils der Umfassungsmauern, die im Ganzen umgestürzt war, konnte man die ursprüngliche Höhe mit mindestens 2,4 m ablesen. Vom Eckturm hat man heute einen guten Blick über das Gelände und auf die Burg Hohenzollern.

Im restlichen Hofgelände wurde sicher landwirtschaftlich genutzt und es wurde hier auch Obst und Gemüse angebaut. Heute ist auf dem Hofgelände zwischen Haupthaus und Badegebäude ein kleiner Kräutergarten angelegt, an der westlichen Hofmauer findet man einen Rosengarten mit alten Sorten.

Es wurden Reste einer Jupitergigantensäule vor dem Gebäude gefunden, die heute durch eine Nachbildung der Säule von Walheim ersetzt wurde. Bei dieser ist die Darstellung des Gottes Jupiter auf einem Pferd eher untypisch, war aber in der keltisch geprägten Provinz, die besonders die Pferdegöttin Epona verehrte, durchaus üblich.

Im außerhalb der Mauer gelegene, ummauerte Heilige Bezirk wurden die Fundamente von 9 unterschiedlichen Gottheiten geweihten Kapellen (aediculae) ausgegraben, was für ein reines Landgut eher ungewöhnlich war. Eine dem Merkur geweihte Kapelle ist bereits komplett rekonstruiert, weitere Rekonstruktionen sind gerade in Arbeit und sollen im September 2021 eröffnet werden.

Von Juni bis September ist das Museum täglich geöffnet, im April, Mai und Oktober montags geschlossen. Eintritt. Der Förderverein Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein e.V. veranstaltet Führungen, Sonderausstellungen und Feste, u.a. findet seit 1994 alle 2 Jahre im August ein großes Römerfest statt, das im Jahr 2020 allerdings ausfallen musste und auf 2022 verschoben wurde.

Lage: Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein e.V., Eichwäldle 1, 72379 Hechingen-Stein

Link: www.villa-rustica.de/index.php/de