Antike Ruinenstätte Nesactium

Römische Region: Regio X Venetia et Histria

Das muss man gesehen haben!

In Nesactium besaßen die Histrier einen ihrer Rückzugsorte, von dem aus sie gelegentliche Piratenüberfälle ins Mittelmeer und auch auf die italienische Küste unternahmen. Nach mehreren Kriegszügen und mehrjähriger Belagerung nhmen die Römer die Festung ein und machten sie letztendlich zu einer römischen Kolonie.

Auf einem Hügel über dem Fluss Budava und mit Blick über die Bucht findet man heute sowohl die Reste einer bronzezeitlichen histrischen Siedlung als auch die Überreste einer römischen Stadt, die bis in spätrömische Zeit bestand.

Ursprünglich lag hier der Hauptort der Histrier (Histrii), geschickte Seefahrer und Händler, die von den Römern aber auch als Piraten des Mittelmeers gefürchtet waren, da sie auch immer wieder Siedlungen an der italienischen Küste überfielen. Nach der Eroberung Venetiens unternahmen die Römer 221 v. Chr. einen Kriegszug auf die istrische Halbinsel, um die Piraten in ihre Schranken zu weisen, die jedoch weiterhin Überfälle auf römisches Gebiet unternahmen.

Rom schlug diese Vorstöße gnadenlos zurück und zerstörte letztendlich nach langer Belagerung im Jahre 177 v. Chr. die von König Epulo verteidigte histrische Wallburg, unterwarf den Stamm der Histrier und stellte ihr Land unter römische Verwaltung zusammen mit einer starken militärischen Präsenz.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. begannen die Römer mit der Romanisierung des Landes und errichteten in Istrien mehrere Städte und Kolonien, zu denen auch die komplett neu geplante Stadt (municipium) Nesactium gehörte, in der neben dem zentralen Forum mit Tempeln, Thermen und öffentlichen Bauten auch luxuriöse Privathäuser am Stadtrand und eine Nekropole vor den Stadtmauern an der Straße nach Pula entstanden. Zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde Istrien dann unter Kaiser Augustus als Regio X Venetia et Histria mit der Hauptstadt Aquileia in das römische Kernland eingegliedert.

In spätrömischer Zeit wurden Teile der öffentlichen Gebäude in Wohn- und Handelsgebäude umgewandelt und es entstanden am Rand des Forums 2 neue frühchristliche Hallenbasiliken mit Apsiden, Taufbecken, Baptisterium und Priesterstuhl.

Nach dem Untergang des Römischen Reiches bestand die Stadt in byzantinischer Zeit noch bis Ende des 6./Anfang des 7. Jahrhunderts n. Chr. weiter, bevor sie von den einfallenden Slawen zerstört und teilweise in Brand gesetzt wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Reste der Stadt wiederentdeckt, die anhand des Fundes eines Votivaltars zu Ehren des Kaisers Gordianus aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. (mit der Inschrift „res republica nesactiensium„) eindeutig identifiziert werden konnte. Die anschließenden Ausgrabungen förderten zahlreiche Gebäudereste und Funde zutage, die heute größtenteils im Archäologischen Museum Istriens in Pula zu besichtigen sind. Für das Verständnis der Geschichte von Nesactium sind dabei vor allem die Grabbeigaben aus den Nekropolen wichtig, die bereits aus einer Zeit zwischen dem 11. und 9. Jahrhundert v. Chr. stammen und bis zum Ende der römischen Besiedlung genutzt wurden.

In Nesactium findet man heute vor allem noch Gebäudereste aus der römischen bis spätrömischen Zeit, von denen besonders der Forumsplatz mit den 3 römischen Tempeln und die beiden frühchristlichen Hallenbasiliken aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. noch gut zu erkennen sind. Auch die Reste eines Stadttors aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. und der einst über 800 Meter langen Stadtmauern, die über den ursprünglichen histrischen und römischen Mauern errichtet wurden, sind noch sichtbar.

Die Archäologische Stätte von Nesactium ist täglich bei freiem Eintritt geöffnet. Am Eingang des Geländes befindet sich ein kleines Museum.

Lage: Nezakcij, Vizače, 52206 Muntić (an der Straße zwischen Muntić und Valtura etwa 12 km nordöstlich von Pula)

Links: www.ami-pula.hr/en/collections-on-other-locations/nesactium; www.istria-culture.com/de/nezakcij-i111; www.istria-culture.com/de/hallenbasiliken-in-nezakcij-i154